Surfing Housewife

Ich stehe auf, ich wechsle Bettbezuege, ich wische Staub, ich sauge auf dem Boden kriechend unter Betten, ich poliere Spiegel, schrubbe Klos und entferne Haare aus dem Abfluss. Wenn alle Falten in den Laken glattgezogen sind, schnappe ich mir mein Board und vergesse fuer drei Stunden, dass ich eigentlich hoffnungslos unsportlich bin.

Dieser Ort macht mich zu einem anderen Menschen. Ich trinke mehr Tee als Kaffee!! Meine Chefin nennt mich PENIBEL!!! Ich habe seit ueber einer Woche nicht das geringste Beduerfnis nach Alkohol oder Zigaretten!!!!

Total verrueckt. Es geht mir gut, gut, gut. Seit neustem erreichen mich seltsame Emails, in denen Menschen, denen ich einst vertraute, behaupten, da wo sie sich befaenden, wuerde es schneien und sie waeren mit Adventsvorbereitungen beschaeftigt. Ich finde das aeusserst befremdlich. Es ist Sommer, verdammt nochmal! Geht raus und werdet braun!! Aber eincremen nicht vergessen. Mimi hat sich gleich am ersten Tag hier Verbrennungen zweiten Grades geholt (zweiten Grades, weil: ich weiss nicht so genau, was das eigentlich heisst und die Verbrennungen sind zwar schlimm, aber nicht toedlich, also hab ich mal die Mitte zwischen den mir bekannten Stufen 1.,2, und 3. Grades gewaehlt.).

Ja, aeh, Mimi ist da! Auch total verreuckt. Nachdem ich drei Tage jede Minute mit ihrer Ankunft gerechnet habe (wobei ich mir die Zeit damit vertrieben hab, mir immer neue Flueche auf sie und ihre Verplantheit auszudenken), stand sie ploetzlich wirklich vor dem Hostel, hier am anderen Ende der Welt. Total verrueckt.

Ich habe jetzt also endlich jemanden, der mir den Ruecken eincremt und muss keine behinderten Verrenkungen mehr vor dem Spiegel machen. Und auch sonst hat es sein Gutes, dass meine geliebte Schwester zu mir gestossen ist. Sie ist naemlich ziemlich witzig. Und haelt mich dazu an, mehr Fotos zu machen. Und gibt mir in unseren endlosen Gespraechen die Gelegenheit, die losen Erkenntnisfetzen, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben in Reih und Glied zu bringen. Ergebnis davon: ich hab viel zu viel Zeit meines Lebens darauf verschwendet, mir selbiges schwer zu machen. Aber ich will euch (und mich selbst) nicht mit Details langweilen. Meine Erkenntnisse sind von bescheidener Intelligenz und ihr Gewicht bezieht sich eher aus ihrer Relevanz fuer mich hoechstpersoenlich, und so gut wie gar nicht aus ihrer Relevanz fuer andere. Ich moechte nur durchblicken lassen, dass ich durchaus auch die ein oder andere Minute mit Denken verbringe und dieser liebste Zeitvertreib ungewoehnlich scharf umrissene Fruechte traegt. Man sieht den Wald eben wirklich nur von weit, weit weg.

Ich verstehe jeden Tag besser, warum so viele Autoren Hotels als Schauplatz ihrer Romane waehlen. Und fuer alle angehenden Schreiberlinge, die das hier Lesen: noch besser machen sich Hostels, ohne Witz. Ich habe in der einen Woche die ich hier bin so viele eigentuemliche Gestalten kennengelernt, dass ich Inspiration fuer Geschichten zum verschenken habe.

Da ist Manuel, der kiffende Oesterreicher, der seit drei Wochen hier eingecheckt ist, und igrendwie nicht zu Potte, wohl aber zum Pot kommt. Er hat inzwischen die Farbe von Kautabak angenommen und ab zehn geht bei ihm gar nix mehr. Ich erschrecke immer wieder leicht, wenn ich eine Schranktuer schliesse und seine endlos geweiteten Pupillen dahinter auftauchen und er gedehnt, mit voellig unnoetigen langsammen Handbewegungen sowas  fragt wie: “Saag, Saaarah, du hoast niecht zufaellig meiiinee Salbe gsehn, odder?”

Oder Andrew, der fahrradfahrende Amerikaner, der lange Haare und lila lackierte Fussnaegel hat und mir den Buddhismus erklaert hat. Ausserdem ist er Psychologe und mit Sicherheit abartig inelligent. Nachdem er zehn Jahre fuer Microsoft in der Softwareentwicklung gearbeitet hat, hat er sich als naechsten Karriereschritt die Glasblaeserkunst angeeignet.

Uebrigens ein Merkmal, das vielen Backpackern, besonders den Dauerreisenden gemein ist: Scharfsichtigkeit und Bildung. Was sagt uns das? Wenn die Kluegsten unter uns es vorziehen unter teilweise schwer unbequemen und alles andere als prestigetraechtigen Bedingungen um die Welt zu reisen, anstatt ein moeglichst teures Nest zu bauen und die Welt mit NOCH mehr Menschen zu bevoelkern… Nein, ich hatte mir vorgenommen, mit meinen Moralvorstellungen hinterm Busch zu bleiben, bis ich gut genug schreibe, um meine Leser nicht zu verlieren.

Bald mehr, Zeit ist um.

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Mission Beinpinkeln

Da bin ich wieder auf meiner Mission, euch allen tierisch ans Bein zu pinkeln. Wer jetzt schon vor Neid glueht und die berechtigte Frage stellt, wie zum Teufel ich das hier verdient habe, sollte lieber aufhoeren zu lesen. Es wird noch besser. Oder schlimmer. Je nachdem.

Meine Tage in Paihia sind gezaehlt und nichts wird mich wieder in dieses Party-und-Palmen-Backpacker-Doerfchen zuruecktreiben, denn das einzige, was an diesem Ort genial war, ist fast zeitgleich mit mir abgeschwirrt. Wo ich normalerweise hoechste Konzentration aufwenden muss, um nicht sofort Reiss aus zu nehmen, war es da mal ausnahmsweise genauso schwierig, sich nicht zu sehr fuer jemanden zu begeistern, den man vielleicht nie wieder sieht. Aber schoen zu wissen, dass ich zum Hin-und-weg-sein in der Lage bin. War mir zwischenzeitlich gar nicht mal mehr so sicher.

Nach 24h intensivem Vermissens eines gewissen sarkastischen Gesichtsausdrucks bin ich aber wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Ich befinde mich in der Endless Summer Lodge in Ahipara, am Fusse des 90 Mile Beach. Das Meer ist tuerkisfarben, der Himmel ist blau, die Palmen wiegen sich sachte im Wind und Kallahlilien wachsen hier wie Unkraut. Das viktorianische Haeuschen, dass sich direkt am besten Surfstrand des Landes befindet, wird fuer die naechsten Wochen mein zuhause sein.

Gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah.

Hier hoch bin mit einem Kiwi-typisch unglaublich netten Altsurfer gekommen. Auf dem Weg haben wir noch Avocado, Brokkoli und Mandarinen geerntet, mit seiner Tochter Vegi-Pie gegessen und dann hat er mich bis vor die Tuer des Hostels gebracht, nicht ohne mir nochmal ausfuehrlich die Gegend und vorallem den unerschlossenen Teil des Strandes, den man nur per Jeep erreicht, zu zeigen.

Meine Angst, dass ich einfach zu viel Glueck auf einmal habe, versuche ich damit zu daempfen, dass mich immerhin eine Biene gestochen und ein Vogel angekackt hat.

Hier im Hostel verbringe ich die meiste Zeit mit Max und Dela. Er kommt aus Hamburg und ist meine Kollege. Der ganze Aufenthalt hier haette dadurch verdorben werden koennen, dass ich mich mit ihm nicht erstehe, weil wir ein Zimmer und die Arbeit teilen, aber (natuerlich) Pustekuchen, er ist super nett und kann viel besser surfen als ich und bringts mir bei und geht mit mir Fischen (ja! Selber gefangenen Fisch esse ich fei!) und is ganz ei! Dela ist Spanierin und spricht nur gebrochen Englisch, was es umso bemerkenswerter macht, wie sie es schafft, unfassbar nett rueberzukommen. Ich war zuerst total eingeschuechtert, weil sie phaenomenal huebsch ist, plus ne coole Sau (1m lange Dreads), plus schon 26. Aber nein, auch sie: nur unfassbar nett.

Bisher war ich jeden Tag surfen und habe gelernt: Das wichtigste ist, geduldig zu sein. Die Wellen waren nicht so berauschend, Spass gemacht hats trotzdem. Habe dafuer meine Paddelskills verbessert. Es soll aber ab Montag richtig gut werden. Ich hab ja Zeit.

Dann geh ich jetzt mal meine selbstgepflueckte Muscheln essen. Die sind ca. 10x so gross, wie alle die ich vorher probiert habe und schmecken- nun ja, halt recht frisch. Auch an dieser Stelle wieder: Muharhar.

Tut mir Leid, dass dieser Beitrag extrem Mnaehnaehnaehnaeh-naeaeaeh-naeh-lastig ist ( wenn ihr wisst, was ich meine…). Ich hab gerade wieder in meine Punktebuch geschaut. Und so schoen es hier ist- kein Strand der Welt ruft Gluecksgefuehle in den Ausmassen hervor, wie es gute Freunde tun.

(Phrase! Gay! Kitschiges Schlusswort! Esotante!)

Zu Mikoschs Beruhigung

Hmm. Ich hatte Angst, dass mir in diesem kleinen Fischerdoerfchen schnell die Ideen ausgehen koennten, wie ich mir die Zeit verteiben koennte. Das ist gleucklicherweise Dank Ash aus London, England doch nicht zum Problem geworden. Ich bin sehr beschaeftigt. God save the Queen! Nur zur Erklaerung, warum jetzt eine ungewoehnlich lange Pause in meinen Ausfuehrungen entsteht. Wir reisen beide Montag weiter, leider (gottseidank??) nicht zusammen.

toes in the water…

Wo war ich stehen geblieben? Genau, volles Kiwi-Programm. Wie erwartet war der Tag phaenomenal. Wir sind ein paar Stunden durch schwarze (!), glitzernde Sandduenen gehuepft. Mich hats natuerlich hingelegt, so dass ich drei Tage spaeter noch schwarzen Sand (der abzueglich des dazugehoernden Meeres nicht mehr ganz so romatisch ist, sondern erstaunliche Aehnlichkeit mit Dreck aufweist) im Ohr hatte. Nick  hatte dafuer seinen Spass. Ich freue mich ja immer, wenn ich jemandem Anlass gebe minutenlang schallend zu lachen.

Nick und Tess sind ein eigenartiges Paar. Sie ein 100%iges Double einer jungen Susan Sarando, klug und pragmatisch-down-to-earth. Er ein koinesquer Frauenversteher, der sich aus Prinzip nie weiter als 2m von seinem Iphone oder Mac entfernt, und es hinkriegt extrem androgyn zu sein, ohne schwul zu wirken. Tess wirkte in 51% der Faelle von seiner Extrovertiertheit leicht peinlich beruehrt. Im Bett scheints aber zu laufen (duenne Waende). Interessantes Paar.

Dann zumEinstieg in meiner Surf-Karriere. Ja. Ich bin halb abgesoffen. Das waren die frustrierendsten und gleichzeitig BESTEN Stunden meines Lebens. Mir fehlts an ALLEM, um Surfen zu lernen, nur nicht an Determination. Seitdem also mein abartiger 48h-Muskelkater abgeklungen ist, werden Situps und Pushups gemacht, bis ich Kraempfe kriege. Ich-werde-surfen-lernen. Punkt.

Mit Aremen aus frisch angekautem Hubba Bubba (weich und labbrig) bin ich dann abendszum BBQ. Die Kiwis sind ein seltsames Voelkchen. Ich koennte den Freundeskreis meiner geliebten gastgeber ums verrecken nicht auf einen Nenner bringen. Da sitzt die adipoese Maori neben dem “Prowlingking” (Verraeumkoenig), neben der voellig abgedrehten Haudrauf-Blondine, neben dem braungebrannten Maedel vom Land, das den Tag ueber Schafe geschoren hat, neben dem nerdigen Mathe-Asiaten…(kein Rassismus! Er war ein Nerd, Mathestudent und Chinese.)

Wurde (mal wieder…) von einer Lesbe angemacht. Wortlaut: “So you’re the sexy German? My mom just died.” Wow. Also wow. Selten einen unangenehmeren Einstieg ins Gespraech serviert bekommen. Ich bin so erschrocken, dass ich ernsthaft mit meiner Hand neben meiem Ohr gewedelt hab als wuerde ich nix verstehen und abgehauen bin. Nachdem ich davor ca. 10 Min. genau vor ihrer Nase fliessend von der Heimat erzaehlt habe. Sehr sensibel von mir. Geborene Psychologin ich bin.

Am naechsten morgen bin ich mit besagten Maedchen vom Land nach Whangarei gefahren, um eine Nacht in einem eiii!- Hostel zu verbringen und ein bisschen zu wandern. Und dann gings per deutscher Mitfahrgelegenheit (Hamburger Jurist. Gaehn. Nichts fuer ungut, Hans. Aber: GAEHN.) an die Bay of Islands, nach Paihia. Wenn ihr euren Neid auf mich ein bisschen schueren wollt, googleeartht das mal. Nur so viel: tuerkisfarbenes Wasser, Delphine, 30 Grad. Die Fotos, die ich demnaechst auf facebook stellen werde, duerften auch schon reichen. Muharhar.

Ich werde hier ein paar Tage noch die Zivilisation geniessen und am Sonntag dann an die Westkueste zum besten Surfstrand des Norden weiterreisen. Ich habe naemlich einen Job! Free acommodation, free surfboard fuer 2,5 Stunden Arbeit am Tag in diesem reizenden hostel: http://www.endlesssummer.co.nz/

Da werde ich dann also mindestens 2 Wochen bleiben, vielleicht sogar laenger. Da da NIX ist, ausser super Wellen, werden diese Wochen also im Zeichen des Muskelkaters stehen. YEAY!!!

Ich bin offiziel der groesste Glueckspilz aller Zeiten.

Auckland

Ok. Ich will meinen Lesern (wer genau ist das eigentlich? Ich bitte um ein aie! von allen die dies lesen) irgendwie den Grund dafuer erklaeren, dass mein Herz gerade zerschmolzen irgendwo in Gegend des Zwerchfells rumflackt. Aber wo anfangen??

Bei Tess, Bekka, James und Christian, die mich hier in Auckland aufgenommen haben, viel laenger als urspruenglich geplant, die so offen und interessiert sind, mir surfen beibringen (Ja. Ha. Dauert noch ein bisschen.) und mich ueberall hin mitnehmen? Da muesste ich jetzt aber zumindest speziell auf Tess eingehen, die laut Eigenaussage eine verbitterte Linke ist und nicht die richtige Ansprechpartnerin, wenn ich etwas ueber neuseelaendische Politik erfahren will- die mir dann aber trotzdem nach zwei Stunden das System besser erklaert hat, als Herr Rex mir das deutsche in 5 Jahren Geschichtsunterricht. Und auf jeden Fall muss ich auch auf Bekka eingehen (ihr merkt, ich habe den artsyfartsy Konjunktiv schon hinter mir gelassen und werde jetzt bestimmter), die, obwohl sie eigentlich lernen muss, mir die gesamte wirre Liebesgeschichte ihrer portugiesischen Mutter und ihres indischen Vaters erzaehlt und mir eine Mitfahrgelegenheit fuer Sonntag besorgt hat. Und James! Halbmaori, der mir einen haka vorgemacht hat (weeeeiiiird. Maori Kriegstanz. Machen Neuseelaender anscheinend vor Rugbyspielen, um den Gegener einzuschuechtern) und mich durch die ganze Stadt faehrt ohne Benzingeld anzunehmen. Christian muss viel arbeiten, ist aber auch sehr nett.

Das sind sie alle! Alle! Das waeren also definitiv genug Gruende fuer das warme Gefuehl in der Brust. Aber ihr, ihr da drueben!, muesst mich noch endgueltig fertig machen. Hoert auf der Stelle auf, mir solche Emails zu schreiben! Ich zehre immer noch von dem unfassbar schoenen letzten Abend in Erlangen, so viel Zuneigung nimmt euch kein Mensch ab! Habt ihrs schon vergessen? Ich bin die behinderte Vegetarierin, die euch droelf Jahre mit ihrem unnoetig hochgestochenen Vokabular genervt hat und euch jetzt mal ne sechsmonatige Ruhepause goennt, wobei sie insgeheim befuerchtet, dass ihr alle die Zeit nutzen werdet, um aus dem Land zu kommen und euch unter falschem Namen eine neue Identitaet aufzubauen.

Ahem.

Auckland ist als Stadt wenig attraktiv (sprich bumshaesslich), hat aber ganz reizende Vororte, in einem von denen es mir vergoennt ist, seit ein paar Tagen zu verweilen. Ich habe ein Bettchen in einem Haeuschen mit einem Gaertchen, das einer ViererWG gehoert. Zwei Juristen, eine BWLrin, ein Ingenieur und ich stelle mal wieder fest, dass geistig gesunde Menschen angenehmer Umgang sind.

Aucklands Vorzuege: Shoppingparadies (Grrrr. Bleibe hart. Auch wenn hier Ripcurl, Billabong, Volcom und Burton im Chor meinen Namen zu schreien scheinen. ),  “Pubs” (genau mein Ding: grosse Backstreinindustriegebaeude mit vereinzelten, gemuetlichen Ledersofas drinnen, hervorragendem Bier und bekifften Livebands), viele, viele Studenten, vielviel Gruen, das von der haesslichen Architektur der Innenstadt befreit und schoene Straende sind nie weit. Ja, ich koennte mir vorstellen, hier meinen Master zu machen. Aber nicht, dass ich schon im 6. Stoch des Human Sciences Building gewesen waere und mich mit Brochuren eingedeckt haette.

Fuer morgen ist das volle Kiwiprogramm geplant: den ganzen Tag Surfen und abends BBQ. Am Sonntag gehts dann weiter nach Whangarei, wo ich in einem Hostel uebernachten werde, das mal eine Farm war und immernoch Heimat zweier Zwergpferde und eines Hundes ist. Ei!

Ansonsten ist in der Gegend um Whangarei vor allem Wandern angesagt (yeay!Iich kann endlich meine Stiefel auseinanderknoten!). Und dann wird abgewartet, bis ich Leute finde, mit denen ich weiterreisen kann. Ich hab das hier alles sowas von nicht geplant. Im Zweifelsfall bin ich in drei Wochen pleite und nicht weiter als 100 km von Auckland weggekommen. Wir werden sehen. (GAhhh)

Ich glaub, so siehts im Himmel aus

I’ m here! I’m here!!! I did it!!! Anderes Ende der Welt und so…

Danke Auckland Airport fuer die Alles-was-ich-mir-erhofft-habe-Meer-und-Berge-Aussicht gleich nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug.

Danke Brisbane Airport fuer gar nichts. Die Nulpen da haben es nicht gebacken bekommen, meinen Rucksack von einem Flugzeug ins andere zu hieven. Also Ankunft in Auckland ohne Unterhosen. Damn it! “Do you know where my bag is?” “There was entrance checking in Singpore.” “Uh-huh… Sorry, I didn’t get that. What does that actually mean?” “Umm. That basically means… that we don’t know where your bag is.”

Ich bin in meinem desolaten Zustand aufs Klo gewankt und einem aelteren Herren direkt in die Arme der sehr hoeflich und very british meinte: “I belive this is gents, darling!” worauf ich ihn nur angeschielt hab und irgendwas apologetisches gemurmelt habe, um dann abzuhauen. Aus irgendeinem Grund allerdings an ihm vorbei, anstatt in die andere Richtung, woraufhin er seinen Arm als Schranke benutzen musste und etwas deutlicher gesagt hat: “No, really, this is the men’s bathroom, young lady!” Puh. Also puh.

Und trotzdem: totale Euphorie. Allein der Weg vom Flughafen zu Blair war, als haette jemand in meinen Kopf geschaut und alles was ich mag zu einer Landschaft zusammengestoepselt. Ein bisschen rauh und verweht, strahlend blauer Himmel mit Schaefchenwolken, gruengruengruenes Gras, Baeume mit tausend exotischen Blueten, wilde Rosen, Olivenbaeume, Meer, Berge, Berge, Meer, Backsteinbungalos, amerikanische Buergersteige… Und dann lief im Bus ein Reggearemix von “pass that dutch”. Da faellt mir nix mehr ein.

Blair und sein Kumpel leben in der COOLSTEN WG evah!! Kleines niedliches Haeuschen mit Garten, ca. 5 Sofas, DJ-Pult (!), beste Musik, Kuehlschrank voller bestem australischem Bier, Poster von Obama,Bob Marley und irgendeinem alten Typen, der anscheinend das Web 2.0 als Konzept “erfunden” hat an der Wand. Als ich gefragt habe, ob irgendjemand hier raucht war die Antwort: “Tobacco? No.” Ich habe noch nie so viel Gras auf einmal gesehen. Also ich meine auf den Schafsweiden hier.

Hab den Jungs gleich was gekocht und bin jetzt offziel akkzeptiert und darf noch eine Nacht bleiben. Heute war ich mit Blair auf einem Vulkan, von dem man ganz Auckland ueberblicken kann.

Meinen Rucksack habe ich inzwischen uebrigens wieder. Das Leben ist schoen.

Monsun-Hitze-Hitze-Monsun

Unabhaengigkeit ist eine feine Sache. Die Claudi haette mich inzwischen wahrscheinlich dreimal um die ganze Insel gescheucht und mit der Anneke haette ich mit Sicherheit eine laengere Diskussion gehabt, ob wir in dem Hostel bleiben, wenn hier eindeutig Kakerlaken was zu sagen haben und es dir in einem geteilten Waschraum leicht mal passieren kann, die Dusche zu oeffnen und einem aeltlichen, splitterfasernackten Langzeitreisendem gegenueber zu stehen (der interessanterweise ueberall gleichmaessig braun war…). Ich und ich selbst bestimmen hingegen in perfekter Harmonie, was wir so treiben. Wir waren im Zoo, sind im Museum rumgestromert (krieg jetzt noch feuchte Augen) und haben exotische Voegel an den Quais gefuettert.

Trotzdem: mehrere Tage ohne lautes Lachen sind einfach nicht mein Ding und deswegen war ich extrem erleichtert, den grossartigen kleinen Steve kennenzulernen. Ein Chinese, der keiner ist, sondern eigentlich aus London kommt. Britischer Humor und so, weisste Bescheid. Die ganze Gruppe von Backpackern aus dem Hostel mit denen ich die letzten zwei Tage unterwegs war, ist supernett, aber man merkt schnell mit wem man sich “notgedrungen” unterhaelt und mit wems wirklich klickt. Steve wuerde ich sofort in meinen Rucksack packen und mitnehmen. Jetzt wo Laura und Mikosch doch nicht mitgekommen sind, waere sogar noch Platz. Ich hoffe schwer, dass mir das noch oefters passiert, praeferentiell mit Leuten, mit denen ich dann auch wirklich reisen kann.

Jetzt gehts weiter nach Auckland. Bin so gespannt! Singapore Fazit: es war total gut, hier gewesen zu sein, ich hab einen “glimpse” von Asien bekommen, aber das naechste mal gehts definitive an einen weissen Kokosnusspalemstrand und nicht in die Grossstadt. Punkt.